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Beinhaus Sedlec

Untere Kapelle der Friedhofskirche Allerheiligen

Geschichte

Heute ist das weltberühmte Beinhaus in Sedlec bei Kutná Hora dank der Medien mit seinen mehr als 400.000 Besuchern pro Jahr eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in der mittelböhmischen Region.

Das Beinhaus befindet sich in der unteren Kapelle der Friedhofskirche Allerheiligen, die ursprünglich Bestandteil der Zisterzienserabtei von Sedlec war, welche 1142 von Herrn Miroslav von Markvartice gegründet wurde. Die Kirche wurde im 14. Jahrhundert als Karner errichtet und besteht aus zwei übereinander gebauten Kapellen. Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge haben sich die Erbauer dieser Kirche und weiterer Bauten auf dem Gelände der Abtei an Jerusalemer Vorbildern orientiert.

Die untere Kapelle der kleinen Friedhofskirche von Sedlec ähnelt sehr der ebenfalls unter der Erdoberfläche gelegenen Kapelle auf dem Jerusalemer Feld Hakeldama, einer alten Begräbnisstätte für Pilger. Die Leichen der Toten sollen sich im Boden von Hakeldama innerhalb von nur 24 Stunden zersetzt haben.

Nachdem einer Legende zufolge einer der Äbte von Sedlec, der in einer diplomatischen Mission nach Jerusalem gereist war, eine Handvoll Erde vom Hakeldamer Feld mitbrachte und diese auf dem Klosterfriedhof verstreute, wurde dieser Friedhof zu einem sogenannten „Heiligen Feld“, dem ältesten in Mitteleuropa. Somit wurde der Friedhof von Sedlec zu einer begehrten Begräbnisstätte und musste immer wieder erweitert werden.

Nach der Pestkatastrophe von 1318 wurden auf dem Friedhof etwa 30.000 Tote begraben, weitere 10.000 Menschen fanden hier während der Hussitenkriege ihre letzte Ruhestätte. Im Jahr 1421 wurden die Objekte des Klosters Sedlec durch einen von den Hussiten gelegten Brand verwüstet, welcher teilweise auch die Friedhofskirche in Mitleidenschaft zog.

Nach der Auflösung des Friedhofs am Ende des 15. Jahrhunderts wurden die exhumierten Knochen außerhalb und innerhalb der unteren Kapelle aufbewahrt, wo sie 1511 ein halbblinder Sedlecer Mönch zu großen Pyramiden aufschichtete.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgte der Umbau der Kirche im Zuge einer komplexen Sanierung des Klosters nach dem Konzept des Abtes Snopek und des Architekten Johann Blasius Santini-Aichl (*1677 +1723). Das Gebäude musste statisch gesichert werden und daher baute Santini einen Giebel zwischen die Türme der Westfassade und stabilisierte das Gebäude durch einen Vorbau an der Westseite. Im Stil seiner spezifischen architektonischen Ausdrucksweise (der sog. Barockgotik) gestaltete er auch den Innenraum, einschließlich des Entwurfs der Ausschmückung mit Knochendekorationen und weiteren Schmuckelementen, z.B. geschnitzten Kronen über den Pyramiden, Kerzenleuchtern (Fialen) u.a.

Den Barockgiebel zwischen den Türmen ziert eine Statue der Jungfrau Maria der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata) von Matěj Václav Jäckel aus dem Jahr 1709. Vom selben Bildhauer stammt auch die vor dem Friedhof stehende Skulptur des hl. Johannes von Nepomuk. Ergänzt wird dieses künstlerische Ensemble durch die Plastiken von weiteren vier Heiligen: Wenzel, Adalbert, Prokop und Florian.

Als Kaiser Josef II. im Jahr 1784 die Klöster abschaffte, wurde auch das Kloster Sedlec aufgelöst und die kleine Friedhofskirche gelangte in den Besitz des Adelsgeschlechts der Schwarzenberger von Orlík. Diese Adelsfamilie beauftragte den Baumeister František Rint aus Česká Skalice im Jahr 1870 mit der Innenausstattung der unteren Kapelle, welche dieser auf sehr einfallsreiche Weise aus Schädeln und Knochen fertigte, die aus den bereits erwähnten Pyramiden stammten. Die Knochen, die für die Ausschmückung verwendet werden sollten, wurden desinfiziert und dann mit Chlorkalk gebleicht. Der Baumeister gestaltete auch das Wappen der Familie Schwarzenberg aus Knochen und hinterließ sogar seine eigene Signatur. Daher wird er als eigentlicher Schöpfer dieser außergewöhnlichen Anordnung menschlicher Gebeine angesehen.

Das Beinhaus von Sedlec – ein MEMENTO MORI – eine einzigartig konzipierte Ruhestätte von fast 60.000 Menschen, die vor uns hier waren…

Sedlec - Před návštěvou
Besucherordnung

Rekonstruktion des Beinhauses